Funktionsweise und technische Grundlagen der Metadaten-Analyse
Der „Schriftlizenzen- & Info-Checker“ ist ein spezialisiertes Werkzeug zur lokalen Analyse von Schriftdateien direkt im Webbrowser. Das Tool ermöglicht es, binäre Schriftdateien per Drag-and-Drop oder über einen Dateiwähler zu öffnen, um die darin eingebetteten Metadatenstrukturen, Lizenztexte, Eigentumsrechte und technischen Einbettungsparameter auszulesen.
Der gesamte Analyseprozess erfolgt vollständig auf dem lokalen Endgerät des Nutzers. Die Datei wird zu keinem Zeitpunkt an externe Server oder an BroBroGo übertragen. Diese lokale Verarbeitung stellt sicher, dass die Schriftdatei direkt in Ihrem Browser ausgelesen und nicht an BroBroGo übertragen wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass die ausgelesenen Daten reine Dateideklarationen darstellen. Sie dienen als technischer Dateinachweis der im Font hinterlegten Informationen, stellen jedoch keinen rechtlichen Beleg für den tatsächlichen Erwerb einer Lizenz dar und bestätigen nicht, wer die Schriftart lizenziert hat.
Unterstützte Schriftformate und technische Limits
Schriftdateien existieren in verschiedenen Containerformaten, die sich in ihrer internen Tabellenstruktur und Kompression unterscheiden. Das Tool unterstützt die folgenden Formate bis zu einer Dateigröße von maximal 32 MB:
- TTF (TrueType Font): Ein von Apple und Microsoft entwickeltes Format, das auf quadratischen Bézier-Kurven basiert.
- OTF (OpenType Font): Eine Weiterentwicklung von TTF, die PostScript-Kurven (CFF) und erweiterte typografische Layout-Features unterstützt.
- WOFF (Web Open Font Format): Ein für das Web optimierter Container, der TrueType- oder OpenType-Schriften komprimiert und mit zusätzlichen Metadaten versieht.
- WOFF2: Eine modernere Version von WOFF, die den hocheffizienten Brotli-Kompressionsalgorithmus nutzt, um Ladezeiten im Web zu minimieren.
- TTC (TrueType Collection): Eine Sammlung mehrerer TrueType-Schriften in einer einzigen Datei, die sich gemeinsame Glyphen-Ressourcen teilen, um Speicherplatz zu sparen.
Validierungsregeln und Fehlermeldungen
Bei der Verarbeitung der Dateien wendet das Tool strikte Validierungsregeln an, um die Stabilität des Browsers zu gewährleisten und beschädigte Daten abzufangen:
| Szenario / Fehlerursache | Fehlermeldung im Interface |
|---|---|
| Ungültiges Dateiformat | "Wählen Sie eine TTF-, OTF-, WOFF-, WOFF2- oder TTC-Schriftdatei aus." |
| Leere Datei (0 Bytes) | "Diese Datei ist leer. Wählen Sie eine vollständige Schriftdatei aus." |
| Datei überschreitet 32 MB | "Diese Schriftart überschreitet das Limit von 32 MB." |
| Beschädigte oder unlesbare Tabellen | "Die Datei ist keine lesbare, unterstützte Schriftart. Sie ist möglicherweise beschädigt oder verwendet ein anderes Format." |
| System- oder Lesefehler des Browsers | "Der Browser konnte diese Datei nicht lesen. Versuchen Sie es mit einer anderen Kopie." |
| Zeitüberschreitung beim Parsen | "Das Lesen hat zu lange gedauert und wurde abgebrochen. Versuchen Sie es mit einer kleineren oder anderen Schriftdatei." |
| Allgemeiner Verarbeitungsfehler | "Die Schriftart konnte nicht geprüft werden." |
Bei Schriftkollektionen (TTC) liest das Tool maximal die ersten 32 enthaltenen Einzelschriften aus. Wird dieses Limit überschritten, erscheint der Warnhinweis: "Es werden die ersten 32 Schriftarten dieser Sammlung angezeigt.".
Die Struktur von Font-Metadaten: Die name-Tabelle
Die im Tool angezeigten Informationen unter den Abschnitten Schriftdatei und Inhaber- und Quelleneinträge stammen primär aus der standardisierten name-Tabelle der OpenType- und TrueType-Spezifikationen. Diese Tabelle ist in verschiedene Namens-IDs (Name IDs) unterteilt, die plattform- und sprachspezifische Zeichenketten speichern.
Das Tool extrahiert und strukturiert diese Daten in folgende Felder:
- Schriftfamilie: Der primäre Name der Schriftfamilie.
- Stil: Die Stilvariante, etwa Regular, Italic oder Bold.
- Vollständiger Name: Der vollständige Name der Schriftart.
- PostScript-Name: Der PostScript-Name der Schriftart.
- Version: Der in der Datei gespeicherte Revisionsstand.
Zusätzlich werden im Bereich Inhaber- und Quelleneinträge Felder wie Urheberrecht, Marke, Hersteller, Designer, Beschreibung, Anbieter-URL und Designer-URL ausgelesen.
Da Schriften lokalisierte Metadaten enthalten können, kennzeichnet das Tool sprachspezifische Einträge mit dem Label Eintrag für ‹language›. Extrem lange Texteinträge werden automatisch gekürzt und mit dem Hinweis Langer Wert für die Anzeige gekürzt versehen. Fehlen diese Einträge komplett, zeigt das Tool die Meldung: "In den Standard-Namensfeldern wurden keine Inhaber- oder Quelleneinträge gefunden.".
Die Bedeutung von fsType bei der Dokument-Einbettung
Unter der Sektion Dokument-Einbettung wertet das Tool das Feld fsType (Font State Type) aus. Dieses Feld befindet sich in der OS/2-Tabelle von TrueType- und OpenType-Schriften und besteht aus einer 16-Bit-Bitmaske, die festlegt, wie die Schriftart in digitalen Dokumenten (wie PDFs oder E-Books) verwendet und eingebettet werden darf.
Das Tool liest den Roher fsType-Wert aus und übersetzt die Bitmaske in eine der folgenden primären Einstellungen:
- Installierbare Einbettung: Der Wert ist auf
0gesetzt. Die Schriftart darf uneingeschränkt in Dokumente eingebettet und dauerhaft auf dem Zielsystem installiert werden. - Eingeschränkte Lizenz-Einbettung: Bit 1 ist gesetzt. Die Schriftart darf nicht in Dokumente eingebettet oder übertragen werden, ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Lizenzgebers.
- Vorschau- & Druck-Einbettung: Bit 2 ist gesetzt. Das Dokument darf mit der eingebetteten Schrift geöffnet und gedruckt werden, eine Bearbeitung des Dokuments oder eine Installation der Schrift auf dem Zielsystem ist jedoch untersagt.
- Editierbare Einbettung: Bit 3 ist gesetzt. Das Dokument darf mit der eingebetteten Schrift geöffnet, gedruckt und editiert werden. Die Schrift darf temporär oder dauerhaft für die Bearbeitung geladen werden.
Sollten sich widersprüchliche Definitionen in den Bits befinden, gibt das Tool Widersprüchliche Einbettungs-Bits aus. Fehlt die Tabelle komplett, erscheint Diese Schriftart hat kein lesbares OS/2-Einbettungsfeld..
Zusätzlich werden wichtige Zusatz-Flags analysiert:
- Keine Untergruppenbildung: Bit 8 ist gesetzt. Die Schriftart muss vollständig eingebettet werden; es dürfen keine reduzierten Zeichensätze (Subsets) für das Dokument erstellt werden.
- Nur Bitmap-Einbettung: Bit 9 ist gesetzt. Nur die in der Schrift enthaltenen Bitmap-Daten dürfen eingebettet werden, nicht die Vektorumrisse.
- Reservierte oder veraltete Bits sind ebenfalls gesetzt: Weist auf unübliche oder veraltete Spezifikations-Einträge hin.
Häufige Fehler und Missverständnisse bei der Schriftlizenzierung
Bei der Arbeit mit Schriftarten treten in der Praxis häufig rechtliche und technische Missverständnisse auf:
- Verwechslung von fsType und Nutzungsrechten: Das technische Einbettungs-Flag
fsTypebeschreibt ausschließlich die Einbettung in Dokumente. Es entscheidet nicht über Webfont-, App-, kommerzielle, Bearbeitungs- oder Weiterverbreitungsrechte, und schriftliche Bedingungen können andere Einschränkungen vorsehen. Die primäre Einstellung der Dokument-Einbettung (wie „Installierbare Einbettung“, „Eingeschränkte Lizenz-Einbettung“, „Vorschau- & Druck-Einbettung“ oder „Editierbare Einbettung“) regelt lediglich diese technischen Aspekte. - Fehlende Metadaten als Freibrief: Wenn eine Schriftart keinen Lizenztext enthält, bedeutet dies lediglich, dass diese Kopie der Datei keine Lizenz in den Standard-Namensfeldern deklariert. Ein fehlender Text macht die Schriftart jedoch weder kostenlos noch lizenzfrei.
- Metadaten als Lizenzbeleg: Die im Tool angezeigten Lizenztexte, Lizenz-URLs oder Inhaberdaten sind lediglich in der Schriftdatei gespeicherte Deklarationen. Sie dienen als Dateinachweis, bestätigen jedoch nicht, wer die Schriftart lizenziert hat, welches Konto oder Unternehmen abgedeckt ist, woher sie stammt oder ob eine geplante Nutzung tatsächlich abgedeckt ist.
FAQ
Kann dies bestätigen, dass ich für die Nutzung der Schriftart lizenziert bin? Nein. Eine Schriftdatei kann zwar Urheberrechte, Lizenztexte, eine Lizenz-URL und technische Einbettungs-Flags enthalten, aber sie kann nicht belegen, wer sie erworben hat, welches Konto oder welches Unternehmen abgedeckt ist, woher sie stammt oder ob Ihre geplante Nutzung der Vereinbarung entspricht. Gleichen Sie diese Felder mit der Download-Quelle, dem Kaufbeleg und den aktuellen Bedingungen des Schriftherstellers oder Designers ab.
Was ist, wenn die Schriftart keinen Lizenztext enthält? Ein fehlender Text bedeutet lediglich, dass diese Kopie der Datei keine Lizenz in den Standard-Namensfeldern deklariert. Dies macht die Schriftart weder kostenlos noch lizenzfrei. Überprüfen Sie den Ordner, in dem sie geliefert wurde, die ursprüngliche Download-Seite, Ihre Bestellhistorie oder wenden Sie sich direkt an den Schrifthersteller.
Was bedeuten die Einbettungs-Flags? Es handelt sich um die technischen Einstellungen des Schriftherstellers für das Platzieren der Schriftart in Dokumenten: installierbar, eingeschränkt, Vorschau und Druck oder editierbar. Zusätzliche Bits können das Erstellen von Untergruppen verbieten oder nur Bitmap-Daten erlauben. Diese Einstellungen gewähren keine Webfont-, App-, kommerziellen, Bearbeitungs- oder Weiterverbreitungsrechte, und schriftliche Bedingungen können andere Einschränkungen vorsehen.